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Ratten im Haus: Anzeichen, Arten, Gefahren und Hilfe

Kratzgeräusche im Keller, Nagespuren an Kabeln, ein Erdloch am Komposthaufen - Ratten gehören zu den Schädlingen, bei denen fast jeder sofort weiß, dass Handeln gefragt ist. Wichtig ist dabei, früh und an der richtigen Stelle anzusetzen.

Befall: Anzeichen für Rattenbefall

Ein Rattenbefall bleibt selten lange unbemerkt, wenn man auf die richtigen Signale achtet. Da Ratten überwiegend nachtaktiv und vorsichtig sind, zeigen sie sich selbst bei stärkerem Befall oft nicht direkt - die Spuren, die sie hinterlassen, sind jedoch eindeutig.

  • Kotspuren: Rattenkot ist spindelförmig, etwa 1 bis 2 Zentimeter lang und deutlich größer als Mäusekot. Frischer Kot ist dunkel und feucht-glänzend, älterer Kot verfärbt sich hell-grau und wird bröckelig.
  • Nagespuren: Ratten nagen an Holz, Kunststoffrohren, Kabeln, Verpackungen und Isoliermaterial, um an Nahrung zu gelangen oder ihre ständig nachwachsenden Schneidezähne abzunutzen.
  • Laufwege und Fettspuren: Da Ratten feste Routen zwischen Nest, Nahrung und Wasser einhalten, entstehen an Wänden, Rohren und Bodenleisten dunkle, leicht glänzende Schmierspuren.
  • Geräusche: Kratz-, Nage- und Trippelgeräusche in Wänden, unter Fußböden, in Zwischendecken oder auf Dachböden - vor allem abends und nachts.
  • Bauten und Löcher: Im Garten, an Komposthaufen oder Fundamenten graben Wanderratten Erdlöcher mit glatt getretenem Rand als Ein- und Ausgänge.
  • Geruch: Ein anhaltender, muffig-ammoniakartiger Geruch aus Urin- und Kotansammlungen ist bei stärkerem Befall in geschlossenen Räumen wahrnehmbar.

Einzelne Anzeichen können auch auf andere Nager wie Mäuse hindeuten. Erst die Kombination mehrerer Spuren - insbesondere größerer Kot, kräftige Nagespuren und Laufgeräusche - liefert einen verlässlichen Hinweis auf Ratten.

Erkennen: Wanderratte oder Hausratte?

In Deutschland kommen grundsätzlich zwei Rattenarten vor: die Wanderratte und die Hausratte. In der Praxis hat es jedoch, wer in Haus, Keller oder Garten auf Ratten trifft, so gut wie immer mit der Wanderratte zu tun.

Die Wanderratte besiedelt bevorzugt bodennahe, feuchte Bereiche: Kanalisation, Keller, Gewässerufer, Müllplätze, Komposthaufen und landwirtschaftliche Gebäude. Ihr Körper wirkt gedrungen, der Schwanz ist kürzer als Kopf und Rumpf zusammen. Die Hausratte dagegen ist kleiner und schlanker, klettert deutlich besser und hält sich eher in oberen Stockwerken und auf Dachböden auf - sie gilt in Deutschland aber als extrem selten und steht auf der Roten Liste als vom Aussterben bedroht.

Wanderratte vs. Hausratte
WanderratteHausratte
Andere BezeichnungKanalratte, Große RatteDachratte
SchwanzlängeKürzer als der KörperSo lang wie oder länger als der Körper
OhrenKlein, rund, dicht am KopfIm Verhältnis größer, deutlich abstehend
KletterfähigkeitGering, bevorzugt bodennahe BereicheAusgeprägt, hält sich in oberen Etagen auf
Häufigkeit in DeutschlandFlächendeckend verbreitetExtrem selten, Rote Liste "vom Aussterben bedroht"

Gesundheitsgefahren

Ratten gelten als eine der bedeutendsten tierischen Überträger von Krankheitserregern auf den Menschen. Die Übertragung erfolgt meist nicht durch direkten Kontakt mit dem Tier selbst, sondern über dessen Ausscheidungen.

  • Leptospirose (Weil-Krankheit): Nach Angaben des Robert Koch-Instituts dienen Ratten als natürliches Reservoir für Leptospiren, die über den Urin ausgeschieden werden. Die Ansteckung erfolgt über kontaminiertes Wasser oder feuchten Untergrund, die Erreger dringen über kleine Hautverletzungen oder Schleimhäute ein. Das Krankheitsbild reicht von grippeähnlichen Beschwerden bis zu schweren Verläufen mit Gelbsucht und Nierenversagen.
  • Salmonellen: Ratten können Salmonellen im Darm tragen und über ihren Kot Lebensmittel und Arbeitsflächen kontaminieren - mit der Folge von Durchfall, Erbrechen, Fieber und Bauchschmerzen nach Verzehr.
  • Hantaviren: Die Wanderratte kann Trägerin des Seoul-Virus sein; ein durch heimische Wanderratten übertragener Fall wurde in Deutschland bislang nur vereinzelt nachgewiesen. Die Hauptüberträger für Hantavirus-Erkrankungen in Deutschland sind laut RKI andere Nagetiere (Rötel- und Brandmaus).

Als gut belegt und relevant gelten vor allem Leptospirose und Salmonellosen. Behörden führen Ratten zusätzlich als mögliche Überträger einer größeren Zahl weiterer Erreger, wobei ein Teil davon nur indirekt über Flöhe und Zecken als Vektoren weitergegeben wird.

Selbsthilfe & wann ein Kammerjäger nötig ist

Der wirksamste Schutz vor Rattenbefall ist Vorbeugung. Ratten folgen vor allem zwei Ressourcen: Nahrung und Unterschlupf.

  • Müll und Kompost sichern: Mülltonnen und Komposthaufen sollten fest verschlossen bzw. mit rattensicheren Deckeln und Böden ausgestattet sein.
  • Zugänge abdichten: Löcher und Spalten an Fundamenten, Kellerwänden und Rohrdurchführungen mit rattensicherem Material verschließen.
  • Gartenpflege: Dichter Bewuchs, Holzstapel oder offen gelagertes Tierfutter bieten Deckung und Nahrung und sollten reduziert werden.

Katzen werden häufig als natürliche Lösung angesehen, sind dafür aber kein verlässlicher Schutz: Eine Freilanduntersuchung an einer New Yorker Rattenpopulation zeigte, dass Katzen Ratten nur selten aktiv jagen und dabei überwiegend erfolglos bleiben.

Bei einem frühen, klar begrenzten Befall können Schlagfallen oder zugelassene Köderstationen im Außenbereich einen ersten Ansatz darstellen. Ein Fachbetrieb wird spätestens dann notwendig, wenn der Befall in Kanalisation oder schwer zugänglichen Bauten vermutet wird, mehrere Tiere oder Hinweise auf eine größere Population vorliegen, der Befall in sensiblen Bereichen wie Lebensmittelbetrieben oder Kitas auftritt, oder eigene Maßnahmen über längere Zeit keinen Erfolg zeigen. In vielen Kommunen besteht zudem eine örtliche Meldepflicht für Rattenbefall - im Zweifel gibt das zuständige Ordnungs- oder Gesundheitsamt Auskunft.

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