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Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner: Anzeichen, Gefahren und Bekämpfung

Ein graues Gespinst an einer Eiche wirkt zunächst unauffällig - dahinter kann sich aber eine der wenigen Insektenarten in Deutschland verbergen, bei der schon der bloße Anblick zur Vorsicht mahnt, nicht erst der Kontakt.

Wichtigster Grundsatz vorab: Nester und Raupen niemals selbst berühren, abflammen oder absaugen. Die Entfernung gehört ausschließlich in die Hände von Fachbetrieben mit entsprechender Schutzausrüstung.

Befall: Anzeichen für Eichenprozessionsspinner-Befall

Ein Befall mit dem Eichenprozessionsspinner macht sich vor allem durch auffällige Gespinstnester an Eichen bemerkbar. Diese grauen bis graubraunen, dicht gewobenen Gespinste befinden sich meist in Astgabelungen oder direkt am Stamm und können je nach Befallsstärke von faustgroß bis deutlich größer ausfallen. Sichtbar werden die Nester in der Regel ab Mai oder Juni.

Ein weiteres typisches Erkennungsmerkmal ist das namensgebende Verhalten der Raupen: Tagsüber halten sie sich überwiegend in ihren Nestern auf und ziehen erst in der Dämmerung oder nachts los, um in der Baumkrone zu fressen - in geschlossenen "Prozessionen" von teils mehreren Dutzend Tieren.

  • Graue bis graubraune, dichte Gespinstnester an Stamm oder Astgabelungen.
  • Sichtbar meist ab Mai/Juni, mit dem Erreichen späterer Larvenstadien.
  • Nächtliche "Prozessionen": Raupen wandern in Reihen oder Gruppen zur Nahrungssuche.
  • Bei massivem Befall: sichtbarer Kahlfraß an den Blättern der betroffenen Eiche.

Erkennen: EPS-Raupe oder andere Raupe?

Die ausgewachsene Raupe des Eichenprozessionsspinners ist graubraun gefärbt, dicht behaart und trägt einen auffällig schwarzen Kopf; sie erreicht eine Länge von bis zu fünf Zentimetern. Entscheidend für die Gefährlichkeit ist das Entwicklungsstadium: In den ersten beiden Larvenstadien, kurz nach dem Schlüpfen im April oder Mai, besitzen die jungen Raupen noch keine Brennhaare und sind ungefährlich. Erst ab dem dritten Larvenstadium - in der Regel ab Mai - bilden sich die feinen Brennhaare aus.

Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit anderen Raupenarten, die zur gleichen Zeit an Eichen fressen, für den Menschen aber harmlos sind - etwa Frostspanner-Raupen, die sich durch eine typische, buckelnde Bewegung fortbewegen, sowie Eulen-, Wickler- und Gespinstmottenraupen. Im Zweifel gilt: lieber Abstand halten und die Raupe nicht berühren, statt sich auf eine Bestimmung mit bloßem Auge zu verlassen.

Gesundheitsgefahren

Die eigentliche Gefahr geht von den feinen Brennhaaren aus, die ältere Raupen ab dem dritten Larvenstadium ausbilden. Diese nur 0,1 bis 0,3 Millimeter langen, mit Widerhaken besetzten Härchen enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Nach Angaben des Umweltbundesamts brechen die Brennhaare bei Berührung sehr leicht ab und setzen dabei das Gift frei, das sowohl bei Hautkontakt als auch beim Einatmen Reaktionen auslösen kann:

  • Hautausschlag mit Rötungen, Quaddeln und starkem Juckreiz (Raupendermatitis).
  • Bindehautentzündung und Reizungen bei Kontakt mit den Augen.
  • Reizung der Atemwege mit Husten, Atemnot oder Schwindelgefühl beim Einatmen der Härchen.
  • In selteneren Fällen allergische Reaktionen bis hin zu asthmaähnlichen Beschwerden.

Besonders wichtig für die Risikoeinschätzung: Ein direkter Kontakt mit Raupen oder Nest ist für eine Reaktion nicht zwingend notwendig. Die Brennhaare sind so leicht, dass sie sich bereits durch Windböen lösen und laut NABU über mehrere Hundert Meter verbreiten können. Auch von alten, augenscheinlich verlassenen Gespinstnestern geht über lange Zeit weiterhin Gefahr aus: Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die gesundheitsschädigende Wirkung der Brennhaare über Jahre erhalten bleiben kann, da sich das Material nur sehr langsam zersetzt.

Was tun bei Befall?

Anders als bei den meisten anderen Schädlingsproblemen gilt beim Eichenprozessionsspinner ein klares Prinzip: Von jedem eigenständigen Entfernungsversuch durch Laien ist dringend abzuraten. Nester dürfen keinesfalls selbst abgeflammt, abgesaugt oder berührt werden - schon durch Erschütterung oder Luftzug können sich große Mengen an Brennhaaren lösen und sich unkontrolliert verteilen.

Wird ein Befall festgestellt, gilt:

  • Den betroffenen Bereich weiträumig meiden und Sicherheitsabstand zum Baum einhalten.
  • Kinder, Nachbarn und Passanten auf die Gefahr hinweisen, insbesondere an Wegen oder Spielplätzen.
  • Befallene Bäume nicht betreten oder besteigen, Äste und Gespinste nicht berühren.

Bei der eigentlichen Entfernung greift eine wichtige regulatorische Besonderheit: Bekämpfungsmaßnahmen gegen den Eichenprozessionsspinner dürfen laut Umweltbundesamt ausschließlich von professionellen, entsprechend ausgerüsteten Anwendern durchgeführt werden. Steht die Eiche im öffentlichen Raum, etwa an Straßen oder in Parks, ist in der Regel das örtliche Grünflächen-, Ordnungs- oder Forstamt zu informieren. Befindet sich der befallene Baum auf dem eigenen Grundstück, liegt die Verantwortung beim Eigentümer, der einen spezialisierten Fachbetrieb mit Schutzausrüstung und speziellen Absaugverfahren beauftragen sollte.

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